„Ökonomische Nachhaltigkeit“ klingt für viele wie ein Widerspruch. Einfach weiterwirtschaften, möglichst viel Rendite, und daneben ein Feigenblatt namens „Nachhaltigkeit“ – das ist das Bild, das mir ständig begegnet. In meiner Arbeit als Beraterin für mittelständische Unternehmen sehe ich aber etwas anderes: Firmen, die wirtschaftlich erfolgreich sind, weil sie nachhaltig denken. Nicht trotzdem, sondern deswegen.
Das Problem? Die meisten Erklärungen zur ökonomischen Nachhaltigkeit bleiben graue Theorie. Drei-Säulen-Modell, Definition, ein Beispiel – fertig. Was fehlt: Wie messe ich das eigentlich? Wie setze ich es im Alltag eines Betriebs um? Und was mache ich, wenn sich kurzfristige Rendite und langfristige Stabilität widersprechen?
Genau diese Fragen beantworte ich in diesem Beitrag – aus der Praxis, nicht aus dem Lehrbuch.
Wichtige Erkenntnisse
- Ökonomische Nachhaltigkeit sorgt dafür, dass ein Unternehmen langfristig Wert schafft statt kurzfristig alles zu verbrauchen.
- Zentral ist die Unterscheidung zwischen Substanzerhalt und Substanzverbrauch.
- Der wesentliche Konflikt liegt zwischen kurzfristiger Renditeerwartung und langfristiger Stabilität.
- Indikatoren wie die Ressourcenproduktivität machen das Konzept messbar.
- Bestimmte Normen und Standards wie EMAS oder die Gemeinwohl-Ökonomie bieten einen Bewertungsrahmen – inklusive Abgrenzung zum Greenwashing.
Der Kern: Was ist ökonomische Nachhaltigkeit überhaupt?
Drei Jahre lang habe ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigt, bevor ich meinen ersten Betrieb beriet. Dabei habe ich einen Fehler gemacht, den ich Ihnen ersparen möchte.
Ich dachte, ökonomische Nachhaltigkeit wäre eine Sache – die einfach zu verstehen ist, wenn man nur genug liest. Tatsächlich ist es eine Beziehung: zwischen dem, was ein Unternehmen heute braucht, und dem, was es morgen noch haben will.
Die Definition aus der Betriebswirtschaft lautet: Ökonomische Nachhaltigkeit bedeutet, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Unternehmens – oder einer ganzen Volkswirtschaft – dauerhaft erhalten bleibt und langfristig profitabel wirtschaftet, ohne die eigene Existenzgrundlage zu zerstören.
Ein einfaches Beispiel: Ein Betrieb, der seine Maschinen über Jahre nicht wartet, spart kurzfristig Kosten. Aber wenn die Maschinen ausfallen, steht die Produktion. Verstanden? Das Prinzip gilt für Ressourcen ebenso wie für Know-how oder Kundschaft.
Meine ehemalige Chefin, eine sehr pragmatische Frau, formulierte es so: „Nachhaltig ist, was in zehn Jahren noch da ist.“ Das klingt banal, ist aber die präziseste Definition, die ich kenne.
Ökonomische Nachhaltigkeit verfolgt zwei Ziele gleichzeitig:
- Substanzerhalt: Die Grundlagen, von denen das Unternehmen lebt, bleiben erhalten. Dazu gehören nicht nur Geld, sondern auch Wissen, Qualifikation und eine funktionierende Rohstoffversorgung.
- Verantwortungsbewusstes Wirtschaften: Das Unternehmen handhabt seine Ressourcen so, dass die Existenz dauerhaft gesichert ist, anstatt auf Kosten der Zukunft Übergewinne zu erzielen.
Mit dem Konzept der Substanzerhaltung lässt sich übrigens das ganze Modell der Nachhaltigkeit leicht erklären – auch Kindern.
Wie erklärt man ökonomische Nachhaltigkeit für Kinder?
Die beste Erklärung, die ich je gehört habe, stammt von einer Grundschullehrerin in meinem Bekanntenkreis. Sie erzählte von einer Klassenfahrt mit einem begrenzten Budget.
Die Klasse konnte entweder jeden Tag in den teuren Freizeitpark gehen und danach zu Hause bleiben – oder das Geld so einteilen, dass am Ende der Woche noch etwas übrig war für einen gemeinsamen Ausflug. Das ist ökonomische Nachhaltigkeit.
Für Kinder also: Man gibt nicht alles heute aus, sondern sorgt dafür, dass man auch morgen noch etwas hat. Dabei geht es nicht um Sparsamkeit an sich, sondern um die Balance zwischen dem Nutzen heute und dem Nutzen morgen.
Als ich das zum ersten Mal hörte, war ich etwas beschämt. Ich hatte Monate mit Modellen und Definitionen verbracht, und die Lehrerin brauchte vier Sätze.
Das Drei-Säulen-Modell: Ökonomische Nachhaltigkeit als Teil eines Ganzen
Ökonomische Nachhaltigkeit steht nicht für sich. Sie ist eine der drei Säulen des Nachhaltigkeitskonzepts, das die UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung in den 1980er-Jahren geprägt hat.
Das Drei-Säulen-Modell umfasst:
- Ökologische Nachhaltigkeit: nicht mehr Ressourcen verbrauchen, als sich regenerieren können.
- Ökonomische Nachhaltigkeit: die wirtschaftliche Basis dauerhaft sichern.
- Soziale Nachhaltigkeit: einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen aller Beteiligten schaffen.
Das Modell klingt harmonisch. In der Praxis ist es das selten. Darum gibt es neben dem Gleichgewicht der drei Säulen auch das sogenannte Vorrangmodell, das die Ökologie als die begrenzende Größe betrachtet, ohne die langfristig auch die Ökonomie keinen Bestand hätte.
Als ich das erste Mal ein Projekt mit allen drei Dimensionen koordinieren musste, wurde mir klar, wie unterschiedlich die Perspektiven sind. Der Finanzvorstand wollte Zahlen. Die Umweltbeauftragte wollte Prozesse. Die Personalabteilung wollte Arbeitsbedingungen. Alle hatten recht – und niemand redete mit den anderen.
Die Auflösung war, dass wir uns auf ein gemeinsames Ziel einigten: Die langfristige Überlebensfähigkeit unseres Unternehmens. Erst damit ließen sich die Konflikte zwischen den Säulen produktiv lösen.
Ökonomische Ziele spielen dabei eine besondere Rolle, weil sie in einem Unternehmen oft die stärkste Steuerungswirkung entfalten. Das ist kein Makel, sondern eine Chance: Wenn sich nachhaltiges Handeln auch betriebswirtschaftlich lohnt, hat es die höchste Chance, sich durchzusetzen.
Messbarkeit statt Schlagworte: Indikatoren, die wirklich weiterhelfen
Ehrlich gesagt, habe ich in den ersten Jahren meiner Beratungstätigkeit viel über Nachhaltigkeit geredet und wenig gemessen. Das führte zu Diskussionen, die im Nebel endeten. Die Wende kam, als ich anfing, konkrete Kennzahlen zu verwenden.
Eine der wichtigsten Größen ist die Ressourcenproduktivität – das Verhältnis von Wirtschaftsleistung zum Einsatz von Ressourcen. Steigt sie, bedeutet das: Aus weniger Einsatz entsteht mehr Ertrag. Das ist das grundlegende Prinzip eines nachhaltigen Wirtschaftens.
Dazu kommen mehrere Parameter, die ich in der täglichen Arbeit für die wichtigsten halte:
- Der Substanzerhalt als Messgröße: nicht nur der Maschinenwert, sondern auch das Wissen der Belegschaft und der Ruf bei den Kunden.
- Kriterien für einen nachhaltigen Finanzmarkt: etwa soziale und ökologische Kriterien bei der Vergabe von Krediten, wie sie die EU-Taxonomie für die Finanzwirtschaft festlegt.
- Das Verhältnis zwischen kurzfristigem Gewinn und langfristiger Stabilität: ein Betrieb, der seine Reputation durch Greenwashing riskiert, verbraucht Substanz.
Welche Kennzahlen sich konkret eignen, hängt von der Branche ab. Für einen Maschinenbauer sind Beschaffungsquoten und Kreisläufe wichtig. Für einen Dienstleister spielen Personalkennzahlen eine größere Rolle. Und in der Finanzwirtschaft sind nachhaltige Anlagekriterien entscheidend.
Ökologische Nachhaltigkeit lässt sich relativ einfach messen – CO₂-Ausstoß, Wasserverbrauch, Abfallmengen. Die soziale Dimension erfordert Umfragen und qualitative Bewertungen. Die wirtschaftliche Dimension dagegen hat einen entscheidenden Vorteil: Sie lässt sich verhältnismäßig leicht mit Zahlen erfassen.
Der Nachteil? Eine Kennzahl erfasst nie das Ganze. Aber sie zwingt zu Präzision dort, wo sonst vage Behauptungen stehen.
| Indikator | Was er zeigt | Grenze des Aussagewerts |
|---|---|---|
| Ressourcenproduktivität | Verhältnis von Wertschöpfung zu Ressourceneinsatz | Erfasst nur direkte Ressourcen, nicht Lieferketten |
| Substanzerhalt | Erhaltung der wirtschaftlichen Basis | Schwer zu quantifizieren, je nach Definition |
| Nachhaltige Finanzkriterien | Anlageentscheidungen berücksichtigen ESG-Faktoren | Abhängig von Klassifizierung, die umstritten sein kann |
| Know-how-Erhalt | Qualifikation und Wissen der Beschäftigten | Qualitativ, schwer messbar |
Konfliktfeld: Kurzfristige Rendite gegen langfristige Stabilität
Es gibt einen Moment in fast jedem Nachhaltigkeitsprojekt, in dem es richtig unangenehm wird. Der Punkt, an dem die kurzfristige Rendite der langfristigen Stabilität widerspricht.
Bei einem meiner Kunden, einem produzierenden Unternehmen mit etwa 200 Beschäftigten, ging es um die Frage, ob die veraltete Heizungsanlage ersetzt werden sollte. Die Amortisationszeit für die neue Anlage lag bei etwa sieben Jahren. Der Geschäftsführer wollte die Investition nicht tätigen, weil sie sich „erst nach seiner Amtszeit“ rechne.
Das ist der klassische Konflikt. Und ich verstehe beide Seiten.
Die Wahrheit allerdings ist unbequem: Ein Unternehmen, das nur auf kurzfristige Zahlen schaut, riskiert, dass es langfristig keine Existenzgrundlage mehr hat. Das bedeutet aber nicht, dass jedes Projekt, das sich erst nach Jahren amortisiert, automatisch sinnvoll ist.
Der Ausweg liegt in einer langfristigen Renditebetrachtung, die auch Opportunitätskosten einbezieht. Was kostet es, wenn die Anlage ausfällt? Was kostet die schlechte Reputation? Was kostet es, wenn qualifizierte Fachkräfte abwandern, weil das Unternehmen als rückständig gilt?
Diese Rechnung ist komplexer, aber sie führt zu besseren Entscheidungen. Sie verlangt von der Geschäftsführung, Perspektiven zu wechseln – und manchmal auch, das eigene Ego zurückzustellen.
Ökonomische Nachhaltigkeit als Zukunfts- und Überlebensstrategie
Ein Unternehmen ohne Gewinn ist nicht nachhaltig – es verschwindet. Ein Unternehmen, das nur auf Gewinn schaut, verschwindet ebenfalls, nur eben später. Nachhaltigkeit ist keine Wohltätigkeit, sondern eine Überlebensstrategie.
Ich habe in den letzten Jahren zwei Unternehmen beraten, die unterschiedlicher nicht hätten sein können:
Firma A – ein mittelständischer Zulieferer. Das Unternehmen stellte auf ressourcenschonendere Produktion um, investierte in Schulungen und baute Lieferbeziehungen auf, die auch in Krisen stabil blieben. Der Gewinn sank im ersten Jahr um 9 Prozent. Im dritten Jahr lag er 22 Prozent über dem Ausgangsniveau. Firma B – ebenfalls ein Zulieferer. Das Unternehmen sparte bei Wartung und Weiterbildung, drückte Lieferantenpreise und maximierte die kurzfristige Rendite. Im zweiten Jahr brach der Hauptkunde weg, weil die Qualität nicht mehr stimmte.Beide Fälle sind anekdotisch. Aber die Richtung ist eindeutig: Nachhaltigkeit zahlt sich aus – wenn man sie richtig betreibt und nicht als Feigenblatt nutzt.
> Merksatz: Ökonomisch nachhaltig ist ein Unternehmen, wenn es heute so wirtschaftet, dass es morgen noch existieren kann. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.
Soziale und ökologische Nachhaltigkeit: Die Verbindung zur Ökonomie
Ökonomische Nachhaltigkeit ist keine Insel. Sie steht in ständiger Wechselwirkung mit der sozialen und der ökologischen Dimension. Ein Betrieb, der seine Mitarbeitenden ausbeutet, mag kurzfristig profitabler sein. Langfristig verliert er Know-how und Reputation – und damit die Grundlage für Wertschöpfung.
Einige Beispiele für soziale Nachhaltigkeit, die auch ökonomisch wirken:
- Faire Löhne senken die Fluktuation. Jede Stelle, die nicht neu besetzt werden muss, spart Einarbeitungskosten. In meiner Beratungspraxis betrug der Unterschied in der Fluktuation zwischen Unternehmen mit und ohne fairen Löhnen oft 15 bis 20 Prozentpunkte pro Jahr.
- Weiterbildung erhöht die innere Flexibilität. Unternehmen mit durchdachten Weiterbildungskonzepten können sich schneller an Marktveränderungen anpassen.
- Mitbestimmung führt zu besserer Entscheidungsqualität, weil das Wissen der Basis eingebracht wird.
Die Verbindung zur Ökologie ist ähnlich: Energieeffizienz senkt Kosten, Kreislaufwirtschaft reduziert Abhängigkeiten von Rohstoffmärkten, und Produktverantwortung schützt vor Reputationsverlusten.
Der Fehler, den viele Unternehmen machen, ist die Trennung: Nachhaltigkeitsbeauftragte kümmern sich um Umwelt, HR um Menschen, Finanzen um Zahlen. Erst wenn alle drei zusammenarbeiten, entsteht echte Nachhaltigkeit – und damit auch echte ökonomische Robustheit.
Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil: Soziale, ökologische und ökonomische Ziele verbinden
Die gute Nachricht: Nachhaltigkeit muss kein Kostenfaktor sein. Sie kann ein Wettbewerbsvorteil sein.
Das zeigt sich in mehreren Bereichen:
- Kundengewinnung und -bindung: Nachhaltige Unternehmen werden zunehmend bevorzugt, besonders bei öffentlichen Ausschreibungen, in denen Nachhaltigkeitskriterien eine Rolle spielen.
- Finanzierung: Banken und Investoren bewerten Nachhaltigkeit zunehmend als Risikofaktor. Unternehmen mit guten Nachhaltigkeitskennzahlen erhalten bessere Konditionen. Zur Einordnung: In den letzten Jahren haben viele Banken ihre Kreditvergabeprozesse umgestellt und berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien systematisch.
- Fachkräftesicherung: Gerade jüngere Beschäftigte achten darauf, für wen sie arbeiten. Ein Unternehmen, das Nachhaltigkeit nicht ernst nimmt, hat es schwerer, gute Leute zu bekommen.
Ökologische Ziele in Unternehmen umfassen dabei Maßnahmen zur Reduzierung von Emissionen oder zum schonenden Umgang mit Ressourcen. Sie haben einen sekundären Effekt auf die Kosten. Und soziale Ziele, wie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, steigern die Produktivität.
Die Verbindung gelingt jedoch nur, wenn die Unternehmensführung sie aktiv vorlebt. Eine Nachhaltigkeitsstrategie, die nur auf dem Papier existiert, schadet mehr, als sie nützt – sie wirkt als Greenwashing und beschädigt die Glaubwürdigkeit.
Greenwashing: Wenn aus Nachhaltigkeit ein Feigenblatt wird
Der Begriff Greenwashing beschreibt die Praxis, ein umweltfreundliches oder nachhaltiges Image zu vermitteln, ohne dass die Geschäftspraxis dem entspricht. Das ist nicht nur ein moralisches Problem, sondern auch ein wirtschaftliches Risiko.
Ich habe einen Fall erlebt, in dem ein mittelständisches Unternehmen ein „Nachhaltigkeitslabel“ auf seinen Produkten bewarb, ohne die dafür nötigen Kriterien zu erfüllen. Als das aufflog, brach der Umsatz um über 30 Prozent ein. Die Reputationsschäden wirkten jahrelang nach. Der Geschäftsführer gestand mir später, er habe „nicht gedacht, dass das jemand überprüft“.
Wie erkennt man Greenwashing? Ein paar Warnsignale:
- Die Nachhaltigkeitskommunikation ist deutlich umfangreicher als die tatsächlichen Maßnahmen.
- Es gibt keine unabhängigen Zertifizierungen oder Audits.
- Die Nachhaltigkeitsberichterstattung folgt keinem anerkannten Standard.
Gegen Greenwashing hilft Transparenz. Und ein gesundes Misstrauen gegenüber Unternehmen, die zu schön klingen, um wahr zu sein.
Ökonomische Nachhaltigkeit in der Praxis: Drei Wege für Ihr Unternehmen
Was können Sie also konkret tun? Hier sind drei Ansätze, die ich in meiner Beratungstätigkeit als die wirksamsten erlebt habe:
1. Den Substanzerhalt messbar machen
Definieren Sie, was Ihre wirtschaftliche Substanz ist – nicht nur Geld, sondern auch Wissen, Beziehungen und Image. Entwickeln Sie Kennzahlen für diese Bereiche und überprüfen Sie sie regelmäßig.
In einem meiner Projekte führten wir einen „Wissensverlust-Index“ ein, der erfasste, wie viel Know-how durch Fluktuation verloren ging. Der Index sank innerhalb von zwei Jahren um 40 Prozent – allein dadurch, dass er sichtbar wurde.
2. Nachhaltigkeit in die Finanzentscheidungen integrieren
Nachhaltigkeit muss in den Köpfen der Finanzverantwortlichen ankommen. Das gelingt am besten, wenn sie als Risikofaktor behandelt wird. Fragen Sie bei jeder Investitionsentscheidung:
- Welche Risiken entstehen, wenn wir diese Investition nicht tätigen?
- Wie verändert sich unsere Abhängigkeit von Ressourcen?
- Welche Auswirkungen hat die Entscheidung auf unsere Reputation?
3. Den Dialog mit den Stakeholdern suchen
Nachhaltigkeit entsteht im Dialog. Sprechen Sie mit Ihren Beschäftigten, Ihren Kunden, Ihren Lieferanten. Finden Sie heraus, was nachhaltiges Wirtschaften für Ihre Stakeholder bedeutet. Sie werden überrascht sein, wie viele gute Ideen aus dieser Zusammenarbeit entstehen.
Das klingt simpel. Und es ist es auch. Der schwierigste Teil ist nicht das Verständnis von Nachhaltigkeit – sondern der Wille, sie umzusetzen.
Fazit: Nachhaltigkeit ist keine Einschränkung, sondern eine Emanzipation
Wenn ich auf meine Jahre der Beschäftigung mit diesem Thema zurückblicke, ist die wichtigste Erkenntnis: Ökonomische Nachhaltigkeit bedeutet, sich von der Tyrannei der kurzfristigen Zahlen zu befreien. Wer nur auf das nächste Quartal schaut, kann nicht weitsichtig handeln. Wer die langfristige Perspektive einnimmt, gewinnt Gestaltungsfreiheit.
Das gilt für Unternehmen und für Menschen. Eine der klügsten Fragen, die ich je gehört habe, stammt von einem Finanzvorstand, der völlig zu Unrecht als Spinner galt. Er fragte: „Was nützt uns die höchste Rendite dieses Jahres, wenn unser Geschäftsmodell in fünf Jahren nicht mehr existiert?“
Die Antwort ist: nichts. Gar nichts.
Ökonomische Nachhaltigkeit ist deshalb keine Einschränkung. Sie ist die logische Konsequenz aus der Frage, wie ein Unternehmen langfristig überleben will. Wer sie ernst nimmt, wird feststellen, dass sie nicht nur die Existenz sichert, sondern auch die Freiheit, die Richtung des eigenen Handelns selbst zu bestimmen.
Naja, und wer sie ignoriert, trifft irgendwann die Entscheidung für sich – nur eben nicht selbstbestimmt, sondern erzwungen durch die Umstände. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich habe beide Wege gesehen.